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Versbuch

Du und die Nacht

Joachim Ringelnatz · 18831934

17 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Gib du dem Tag, was aus dir will.Die Nacht ist still.Auch wenn in einem NachtlokalDu welche Leute, die SkandalBegeistert, siehst.Nicht, daß du fliehst!Auch wenn ein Raufbold dich berennt,Oder ein blöder Korps-StudentMit Gott – dem’s einfiel, dort zu wandeln –Will anbandeln.

Dieweil das Meiste schläft, baut aus GestirnenSich Unkenmärchenhaftes. Gruslig schiebtSchlechtes Gewissen seine Heimlichkeiten,Und Hirne dampfen über Nachtarbeiten.Dieweil die Stille dürstend Weisheit siebt,Schwelgt Animalisches, und Sehnsucht liebt.

Gib du der Nacht, was dir der Tag vergibt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Du und die Nacht“, Fassung 3.779.858 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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