Einigkeit
Theodor Fontane · 1819–1898
34 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1851
1842.(Bei Gelegenheit des Hamburger Brandes.)
Kein Jubel mehr! die Freude sei bemeistertOb deutschen Sinn’s und deutscher Einigkeit;Es gilt nicht viel, wenn sich ein Volk begeistertIn unsrer krankhaft-überreizten Zeit.Was Ihr gesehn – des Mitleids frommes WaltenErlöst noch lang vom alten Fluch uns nicht,Und unsre Heimath ist und bleibt zerspalten,Bevor uns nicht ein festres Band umflicht.
Begeistrung! ja, bei Gott, auf allen GassenUnd aller Orten macht sie jetzt sich breit,Und wessen Herz sich will begeistern lassen,Der eile sich – jetzt ist die rechte Zeit,Es ist die Zeit, wo sich die deutsche Jugend,Unwürdig, vor den Künstlerwagen spannt;Sie stempelt auch die Mode ’mal zur Tugend,Und schwärmt für Einigkeit im Vaterland.
Ach, Einigkeit! die Liebe kann sich regenIn einem Herzen, das der Haß verzehrt,Es schlägt dem Feinde zornentbrannt entgegen,Und hält ihn dennoch seines Mitleids werth.Wer hat von Euch die namenlosen SchmerzenZerschossner Feinde frohen Muth’s erblickt?So hassenswerth lebt nie der Haß im Herzen,Daß er des Mitleids Stimme selbst erstickt.
Nein, soll die Zukunft uns ein Deutschland bringen,Da gilt es mehr als eine milde Hand,Da gilt’s ein muthig Ringen und Bezwingen,Ein Frühlingswehn durch’s ganze deutsche Land.Wenn überall der Freiheit Banner rauschen,Und kein bedrücktes Volk um Rettung schreit,Dann will auch ich die Zweifel froh vertauschen,Und gläubig baun auf Deutschlands Einigkeit.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 225–227, 1. Auflage, Carl Reimarus’ Verlag. W. Ernst., Berlin, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Einigkeit“, Fassung 3.027.928 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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