Liebe in der Fremde
Gustav Schwab · 1792–1850
24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Endlich rauscht des Stromes Welle,Die so fremd mir klang, vertraut;Berg und Thäler schauen helle,Und der Geist der Flur wird laut.Heimath ist’s in meiner Seele,Heimisch wird mir nun das Land;Seit ich selbst mir nicht mehr fehle,Find’ ich Alles rings verwandt.
Ja das macht, ich trag’ im HerzenWieder nun ein liebes Bild:Was verhüllt lag unter Schmerzen,Tritt mit ihm hervor so mild.Von den Augen fällt die Blindheit,Feld und Wald im alten ScheinLaden mich, wie in der Kindheit,Mit den trauten Stimmen ein.
Hoffnung führt mich auf die Fluren,Die ich sonst nur irr durchstreift;O und nach geliebten SpurenUeberall mein Auge schweift!Jeder Weg, der zu ihr gehet,Ist mir wie schon längst bekannt;Jeder Boden, drauf sie stehet,Ist mein altes Vaterland.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 29, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Liebe in der Fremde“, Fassung 1.334.321 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.