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Versbuch

Conradin

Gustav Schwab · 17921850

60 Zeilen in 15 Strophen · zuerst gedruckt 1828

Kaum ist der Frühling im Erwachen,Es blüht der See , es blüht der Baum,Es blüht ein Jüngling dort im Nachen,Er wiegt sich in der Wellen Schaum.

Wie eine Rosenknospe hülletEin junges Purpurkleid ihn ein,Und unter einer Krone quilletSein Haar von güldenerem Schein.

Es irret auf den blauen WellenSein sinnend Auge, wellenblau,Der Leyer, die er schlägt, entschwellenGesänge von der schönsten Frau.

Des ersten Donners Stimmen hallen,Im Süden blitzt es blutig roth;Er läßt sein Lied nur lauter schallen,Ihn kümmert nichts, als Liebesnoth.

Und wenn er Minne sich errungen,So holt er sich dazu den Ruhm,Und herrscht vom Lorberkranz umschlungenIn seiner Väter Eigenthum.

Kind! wie du stehst im schwanken Kahne,So rufet dich ein schwanker Thron,Vertrau’ dem Schatten nicht, dem Ahne,Verlaßner, armer Königssohn!

Du bist so stolz und unerschrocken,Du sinkest, eh’ du es geglaubt,Es sitzt die Kron’ auf deinen Locken,Als träumte nur davon dein Haupt! –

Er höret keine Warnungsstimme,Schwimmt singend auf dem Abgrund hin,Was weiß er von des Sturmes Grimme?Nach Lieb’ und Leben steht sein Sinn.

So gieb ihm Leben, gieb ihm Liebe,Du wonnevolles Schwabenland,Verdopple deine Blüthentriebe,Knüpf’ ihm der Minne seel’ges Band!

Es hat zu leben kurz der Knabe,Hauch’ ihm entgegen Lebensluft,Durchwürze jede kleine GabeMit ew’ger Jugend Blüthenduft!

Mach’ ihm den Augenblick zu Jahren,Den er an diesen Ufern lebt,Daß er mit ungebleichten HaarenAn Freude satt gen Himmel schwebt!

Was ist’s? er läßt die Leyer fallen,Er springt an’s Ufer, greift zum Schwerdt,O seht ihn über Alpen wallenMit treuen Männern, hoch zu Pferd!

Der Lust, der Liebe Lieder schweigen,Er glüht von edlerem Gelüst;Er will der Väter Thron besteigen –Und wandelt auf das Blutgerüst.

Was willst du mit der Blumen KranzeDu grünes seebespültes Land?Was willst du, Luft, mit blauem Glanze?Was willst du, leerer Kahn, am Strand?

Ihr schmücktet euch zu seiner Wonne,Hin ist er ohne Wiederkehr!Wirf einen Schleier um, o Sonne!Der letzte Staufen ist nicht mehr!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. 1. Band, S. 382–384, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
Digitalisat
de.wikisource.org — „Conradin“, Fassung 1.329.962 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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