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Versbuch

Gesellschaftslied auf dem Bodensee

Gustav Schwab · 17921850

49 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1828

Melodie: Bekränzt mit Laub den lieben vollen Becher etc.Stimmt an den Sang, die grünen Wogen lauschenIm alten Schwabenmeer,Sobald ihr singt, beginnen sie zu rauschen,Und hüpfen um euch her.

Und sie durchströmt der Geist der fernen Zeiten,Wo rings der Strand erklang,Der Minne Lied zum Silberton der SaitenAus hundert Burgen drang.

Das Land ist stumm, das Ufer unbesungen,Versunken ist die Lust –Doch aus den Wassern hat sie sich geschwungen,Und lebt in unsrer Brust.

Im leichten Haus, das auf der Woge schwimmet,Da wohnt der leichte Muth,Da wiegt sich jede Freude groß, da glimmetNoch jeder Hoffnung Gluth.

Der Ruderschlag verstärkt den Schlag der Herzen,Freundschaft und Lieb’ erwacht;O blickt umher, wie kühn die Wellen scherzen,Drum scherzt auch ihr und lacht!

Der frohe Stoß, der unsern Nachen treibet,Er geht durch Berg und Thal,Sie fliegen hin, die Ruhe thront und bleibetNur in des Aethers Saal.

Und heller glänzet im VorüberschwebenDer Thurm von Dorf und Stadt,Die Firnen glühn, die niedern Hügel bebenUmwallt von Blüth’ und Blatt.

Dort vom Gestade schwingen sich die Reben –So sagt, wo habt ihr Wein?Im Doppelstrom durchschwimmen wir das Leben,Schenkt ein, schenkt ein, schenkt ein!

Die Wonne wacht und alle Sorgen schlafen:Doch ist des Glücks zuviel;Es sinkt die Sonn’, es öffnet sich der Hafen,Ach, schon sind wir am Ziel!

Doch tragen wir die Lust des ElementesHinaus in Stadt und Land,Verbunden stets, denn das ist kein Getrenntes,Was Lieb’ und Lust verband!

Im Herzen lebt, von Sonnenschein umflossen,Der treuen Freunde Bild,Die blaue Fluth wallt ewig d’rum ergossen,Der Nachen wiegt es mild.

So süße Fahrt laßt uns durch’s Leben träumen,Da lebt sich’s noch so gern;Und wenn’s auch stürmt, wenn bleich die Wogen schäumen,Der Hafen ist nicht fern!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. 1. Band, S. 111–113, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
Digitalisat
de.wikisource.org — „Gesellschaftslied auf dem Bodensee“, Fassung 1.471.953 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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