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Versbuch

Warnung

Johann Baptist von Alxinger · 17551797

42 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1780

O Jüngling, liebst du Glück und Ruh,So schließ dein Herz vor Mädchen zu,Trau auch der Besten nicht;Sag weiter nichts, als nein und ja,Sieh niemals auf, und stehe daMit stoischem Gesicht;

Giebt sie dir süsser Wörtchen viel,Singt mit erheucheltem GefühlSie dir ein Liedchen vor;Fein nachgeschlagen, wie UlyßWachs in das Ohr der Freude ließ,Und auch verstopft dein Ohr.

Wenn ihre Hand von ungefährSich auf die deinige verlör,So nütze nicht dies GlückUnd schieb nur schnell, so schwer’s auch ist,Schieb ungedrücket, ungeküßt,Die schöne Hand zurück.

Ein Mädchenherz, o merke das!Gleicht einem schönen Spiegelglas,Ist schlüpferig und fein,Lockt durch den Schein, bleibt immer kalt,Nimmt willig jegliche Gestalt,Und keine prägt sich ein.

Stolz, Eitelkeit und Eigensinn,Regieren unumschränkt darin;Doch bleiben die verkappt,Bis daß ein Mann, wie man ihn heischt,Jung, feurig, reich, vom Schein getäuscht,Sich beym Altar verschnappt.

Dann ändert ihre Rolle sich;Sie spielt, sie, die erst inniglichAn dem Geliebten hing,Mit andern jetzt den zweyten Akt,Gesichert durch den Ehkontrakt,Und durch den Trauungsring.

Drum, Jüngling, o verwahr dich dochVor Trauungsring, vor Weiberjoch,Und fleuch und fürchte sie;Trotz Amors süssen Lockungen,Glaub, eine Thorheit zu begehn,Ists immer noch zu früh.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 73–75., 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
Digitalisat
de.wikisource.org — „Warnung (Alxinger)“, Fassung 2.964.013 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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