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Versbuch

Mensch und Tier

Joachim Ringelnatz · 18831934

21 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1928

Wenn ich die Gesichter rings studiere,Frage ich mich oft verzagt:Wieviel Menschen gibt’s und wieviel Tiere? –Und dann hab’ ich – unter uns gesagt –Äußerst dumm gefragt.

Denn die Frage intressiert doch bloßLänderweis statistische Büros,Und auch diese würden sich sehr quälen,Um zum Beispiel Läuse nachzuzählen.

Dummer Mensch spricht oft vom dummen Vieh,Doch zum Glück versteht das Vieh ihn nie.In dem neuen Koridor von PolenGaben sich zwei Pferde einen Kuß,Und die Folge war ein dünnes Fohlen,Welches stundenlangImmer anders, als man dachte, sprang.

Wenn es auch in PolenSehr viel Läuse gibt, – –Aber wer ein solches FohlenSieht und dann nicht liebt,Bleibe mir gestohlen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Allerdings, S. 26, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
Digitalisat
de.wikisource.org — „Mensch und Tier“, Fassung 3.026.762 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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