Am 17. Februar 1815
Gustav Schwab · 1792–1850
42 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1828
So feir’ ich denn mit ThränenEinsamen LeiertönenDen freudenreichen Tag!Sie möcht’ ich grüßend küssen,Und kann, ach, doch nicht wissen,Wie es zu ihr gelangen mag.
Verbund’nen treuen SeelenKann’s nie an Boten fehlenZu ew’gem Wechselgruß,Da giebt es keine Ferne,Sie schauen in die Sterne,Da regnet Brief herab und Kuß.
Du lichte, nächt’ge Bläue,Du nimmst den Schwur der TreueVon meinen Lippen auf;Er säuselt wohl hinüber,Er weht an ihr vorüber,Sie aber achtet nicht darauf.
Ich will sie nicht bethören,Mag sie es überhören,Mag ich vergessen seyn!Dringt, was ich für sie flehe,Nur zu der ew’gen Höhe,Nur in den treuen Himmel ein.
Laß ihr die Wangen blühen,Die dunkeln Augen glühen,O du der Liebe Hort!Doch wen sie soll entzündenIn feines Herzens Gründen,Dem schenk’ auch ihre Huld sofort.
Für mich nicht will ich bitten,Ich habe mir erstrittenEin fest und ruhig Herz!Nur, kann sie nichts erwiedern,So spar’ auch andern BrüdernUnangehörter Liebe Schmerz.
Doch willst du Lieb’ und LebenDem keuschen Busen geben,So thu’s in diesem Jahr!Ich will es fröhlich schauen,Laß schweben aus dem BlauenDen Brautkranz ihr in’s dunkle Haar.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 79–80, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Am 17. Februar 1815“, Fassung 1.371.543 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
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