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Versbuch

Thema

Gedichte über Nacht und Traum

Nacht und Traum sind in dieser Sammlung mit 464 Gedichten belegt, das kürzeste drei Zeilen lang, das längste 534. Die Gruppe entsteht aus den Wörtern der Gedichte, nicht aus einer Angabe der Druckausgaben. Jeder Text steht vollständig da, mit Verfasser und Zeilenzahl; bei zwei Gedichten nennt die Quelle keine Jahresangabe.

464 Gedichte von 49 Verfasserinnen und Verfassern · davon 66 mit höchstens 12 Zeilen

Alle Gedichte: Nacht und Traum

Zuerst die Gedichte, die das Stichwort schon im Titel tragen, danach die kürzeren vor den längeren. Jede Zeilenzahl ist gezählt.

Der Bestand im Einzelnen, und wozu welcher Text taugt

464 Gedichte klingen nach viel, sind aber schnell durchsucht, wenn man nach Länge sortiert. Die Spanne reicht von drei Zeilen bis 534; in der Mitte liegt die Zeilenzahl bei 33. Höchstens zwölf Zeilen – kurz genug für eine Karte – haben 66 Texte, also etwa jedes siebte Gedicht der Gruppe. Die beiden stärksten Bänder liegen dicht beieinander: 122 Gedichte zählen 21 bis 40 Zeilen, 121 zählen 41 bis 80. Weitere 76 gehen über 80 Zeilen hinaus. Die Zeilenzahl steht bei jedem Eintrag, sodass sich die Suche einschränken lässt, bevor man den ersten Text öffnet.

Ein Fall in diesem Bestand zeigt, warum die Ausgabe zählt. Theodor Fontanes „Cromwell’s letzte Nacht“ liegt zweimal vor: einmal nach einem Druck von 1851 mit 58 Zeilen, einmal nach einem Druck von 1905 mit 47 Zeilen. Beide beginnen gleich, mit „Mir sagt’s nicht nur des Arztes ernste Miene,“. Elf Zeilen Unterschied sind kein Abschreibfehler, sondern zwei Drucke desselben Gedichts, zwischen denen mehr als fünfzig Jahre liegen. Wer daraus zitiert, nennt deshalb besser das Jahr der Ausgabe mit, sonst meint der eine Leser einen anderen Text als der andere.

Für kurze Zwecke wird man rasch fündig. Heinrich Heines „Die Mitternacht war kalt und stumm“ von 1827 hat drei Zeilen und ist damit der kürzeste Text der Gruppe; als Anfang verzeichnet ist „Ich irrte klagend im Wald herum.“ Aus demselben Jahr steht „Der Tod das ist die kühle Nacht“ mit sieben Zeilen da, erste Zeile „Das Leben ist der schwüle Tag.“ Heines „Ein schöner Stern geht auf in meiner Nacht“ von 1844 hat zehn Zeilen; hier ist als Anfang kein Vers erfasst, sondern der Name „Katharina.“. Paul Boldts „Nacht für Nacht“ von 1914 kommt auf vierzehn Zeilen und beginnt „Wie helle Raupen kriechen die Chausseen“.

Am anderen Ende stehen die langen Stücke. Rainer Maria Rilkes „Träumen“ von 1896 zählt 316 Zeilen, sein „Lieben“ aus demselben Jahr 247; bei beiden ist als Anfang kein Vers erfasst, sondern die Ziffer „I“. Heinrich Heines „Bergidylle“ von 1827 hat 204 Zeilen und beginnt „Auf dem Berge steht die Hütte,“. Gustav Schwabs „Die Maid von Bodmann“ von 1828 zählt 175 Zeilen, erste Zeile „Es schwillet aus den Wellen“. Goethes „Ilmenau“ mit 193 Zeilen ist eines von zwei Gedichten der Gruppe ohne Jahresangabe; dort steht als Anfang „am 3. September 1783.“ Solche Felder stehen so da, wie die Ausgabe sie hergibt, auch wenn sie unbequem sind.

Die verzeichneten Druckjahre reichen von 1658 bis 1981; angegeben ist die benutzte Ausgabe, nicht das Jahr der Entstehung. Zwei Zeiträume sind besonders dicht besetzt. 67 Gedichte tragen ein Druckjahr aus den 1820er Jahren. Die zweite und größere Häufung liegt um 1900: 64 Einträge aus den 1890ern, 87 aus dem Jahrzehnt ab 1900, 64 aus den 1910ern und 52 aus den 1920ern, zusammen 267 der 464 Texte. Aus dieser Zeit stammen unter den hier aufgeführten Titeln Georg Heyms „Die Heimat der Toten“ und „Schwarze Visionen“, beide 1911 und 74 beziehungsweise 122 Zeilen lang, sowie Karl Kraus’ „Traum“ von 1920 mit 80 Zeilen, der mit „Stunden gibt es, wo“ einsetzt.

Die Namen verteilen sich anders als in anderen Gruppen dieser Sammlung. 49 Verfasserinnen und Verfasser sind vertreten. Heinrich Heine steht mit 55 Gedichten vorn, Rainer Maria Rilke folgt mit 45, Theodor Fontane mit 31, Gustav Schwab mit 25 und Rudolf Lavant mit 24. Dahinter kommen Richard Dehmel mit 21, Alfred Henschke mit 19 sowie Joachim Ringelnatz und Conrad Ferdinand Meyer mit je 18. Diese neun Namen tragen zusammen 256 der 464 Gedichte, also mehr als die Hälfte; zwölf weitere Verfasser sind mit genau einem Text vertreten. Für eine Suche heißt das: Über Heine und Rilke kommt man am schnellsten zu Material.

Nacht ist ein Wort, das zu sehr verschiedenen Anlässen taugt, und die Länge entscheidet, zu welchem. Für einen Gutenachtgruß oder eine Karte reicht das Zehnzeilige; 66 Texte bleiben bei höchstens zwölf Zeilen. Für eine Traueranzeige braucht es meist noch weniger, weil der Satzspiegel klein ist und die Zeitung nach Zeilen abrechnet: zwischen fünf und acht Zeilen liegen hier 18 Gedichte, und noch kürzer ist genau eines. Für eine Lesung oder einen Gottesdienst darf ein Text zwei bis drei Minuten laufen; das sind, laut gesprochen, ungefähr vierzig bis sechzig Verszeilen. Über hundert Zeilen wird daraus eine eigene Programmnummer, für die man Zeit einplanen muss.

Auch hier gilt: Die Schreibweisen sind die der Vorlage. Bei Andreas Gryphius steht 1658 „SChrecken / vnd Stille / vnd dunckeles Grausen / finstere Kälte bedecket das Land /“ – Schrägstriche statt Kommas, „vnd“ mit v. Bei Fontane heißt es „Mir sagt’s“, bei Rilke „Oft denk’ ich auf der Alltagsreise“, bei Christian Morgenstern „Wenn’s mitternächtigt und nicht Mond“. Und Louise Otto-Peters’ „Im Erzgebirge“ von 1893 beginnt „Die Nacht ist kalt. Ein eisger Morgenwind“ – „eisger“ ohne Apostroph, weil die Ausgabe es so setzt. Wer einen Text für ein Programmheft in heutige Schreibung bringt, darf das; ein kurzer Hinweis verhindert, dass die Änderung später für einen Fehler gehalten wird.

Rechtlich sind diese Gedichte frei benutzbar. Die Schutzfrist endet siebzig volle Kalenderjahre nach dem Tod der Verfasserin oder des Verfassers; für alle hier versammelten Namen ist sie abgelaufen, das Urheberrecht also nach § 64 in Verbindung mit § 69 UrhG erloschen. Vervielfältigen, vortragen, vertonen, in eine Anthologie aufnehmen oder damit Geld verdienen: alles ohne Erlaubnis möglich. Frei ist allerdings der Originaltext, nicht jede Übersetzung und nicht jede jüngere Bearbeitung, die ein eigenes Recht nach § 3 UrhG haben kann. Eine Angabe der Form Theodor Fontane, „Cromwell’s letzte Nacht“, 1905 kostet nichts und beantwortet Rückfragen im Voraus.