Nächtliche Fahrt
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1882
Ein Schiff befuhr das Meer. Aufrauschend quollDie Fluth am Kiel. Er suchte Pylos’ Strand.Das Steuer führt’ ein Jüngling kummervoll,Dem früh des Vaters Rath und Hilfe schwand.
Der Glückbedürft’ge hieß TelemachosUnd schaute nach des Segels nächt’gem Flug,Dicht neben ihm der hohe Fahrtgenoß,Athene war’s, die Mentors Züge trug.
Unendlich brach hervor der Sterne Heer,Die lichten Waller wußten ihre Bahn …Da sprach die Tochter Zeus’ auf dunkelm Meer:„Jetzt, Jüngling, ruf’ mit mir die Götter an!“
Die Hände, wie der Staubgeborne fleht,Erhob sie ausgebreitet in die Nacht –Und sie erhörte selber das Gebet,Von ihr für den Verlassnen dargebracht.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 190., 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Nächtliche Fahrt (Meyer)“, Fassung 2.344.709 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
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