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Versbuch

Thränenregen

Wilhelm Müller · 17941827

28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1906

Wir saßen so traulich beisammenIm kühlen Erlendach,Wir schauten so traulich zusammenHinab in den rieselnden Bach.

Der Mond war auch gekommen,Die Sternlein hinterdrein,Und schauten so traulich zusammenIn den silbernen Spiegel hinein.

Ich sah nach keinem Monde,Nach keinem Sternenschein,Ich schaute nach ihrem Bilde,Nach ihren Augen allein.

Und sahe sie nicken und blickenHerauf aus dem seligen Bach,Die Blümlein am Ufer, die blauen,Sie nickten und blickten ihr nach.

Und in den Bach versunkenDer ganze Himmel schien,Und wollte mich mit hinunterIn seine Tiefe ziehn.

Und über den Wolken und Sternen,Da rieselte munter der Bach,Und rief mit Singen und Klingen:Geselle, Geselle, mir nach!

Da gingen die Augen mir über,Da ward es im Spiegel so kraus;Sie sprach: Es kommt ein Regen,Ade, ich geh’ nach Haus.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die schöne Müllerin, in: Gedichte von Wilhelm Müller. Vollständige kritische Ausgabe. S. 12-13, B. Behrs Verlag, Berlin, 1906
Digitalisat
de.wikisource.org — „Thränenregen“, Fassung 2.206.585 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Wilhelm Müller starb 1827; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1897 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11858524X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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