Der alte Wirth in Lancashire
Georg Weerth · 1822–1856
29 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1886
5. „Der alte Wirt in Lancashire.“
Der alte Wirth in LancashireDer zapft ein jämmerliches Bier;Er zapft’ es gestern, zapft es heut’,Er zapft es nur für arme Leut’.
Die armen Leut’ in LancashireDie gehen oft durch seine Thür;Sie geh’n in Schuhen, die entzwei,Sie geh’n in Röcken, die nicht neu.
Der erste von dem armen Pack,Das ist der bleiche, stille Jack.Der spricht: „Wie auch die Händ’ ich rührt’,„Zum Glücke hat’s mich nie geführt.“
Und Tom begann: „Schon manches Jahr„Spann ich die Fäden fein und klar;„Das wollne Kleid war Manchem lieb,„Und doch ich selber dürftig blieb!“
Und Bill darauf: „Mit treuer Hand„Führt ich den Pflug durch brittisch Land;„Die Saaten sah’ ich lustig stehn –„Doch hungrig mußt zu Bett ich geh’n.“
Und weiter schallt’s: „Aus tiefem Schacht„Hat Ben manch Fuder Kohlen bracht;„Doch als sein Weib ein Kind gebor –„God-dam, das Weib und Kind erfror.“
Und Jack und Tom und Bill und Ben –Sie riefen allesammt: „God-dam!“ –Und selbe Nacht auf weichem FlaumEin Reicher lag in bösem Traum.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Vorwärts, 1. Auflage, Verlag der Volksbuchhandlung in Hottingen, Zürich, 1886
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der alte Wirth in Lancashire“, Fassung 3.576.607 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Weerth starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 117208612 der Deutschen Nationalbibliothek.
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