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Versbuch

Auf ein Soldatenbild

Kurt Tucholsky · 18901935

29 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Hoher Kragen, eingezwängtin die Affenjacke;der Zivilleib, angestrengt,weicht dem Zeitgeschmacke.Fremd und leer blickt dein Gesicht.Du verstehst das Ganze nicht.

Letztes Bild und letzter Klang –du bist weggegangen.Und ich muß nun lebenslangmich nach beiden bangen.Um dich pflügt der Bauernpflug.Du bist Lehm und hast genug.

Lieber, seh ich heut dich an,häßlich und verkleidet,hab ich oft dich toten Manngrüßend sehr beneidet.Läuse, Leutnant, blutiges Gras –Sage, wofür tatst du das?

Auf uns sieht derselbe Mond,sehn dieselben Sterne –Deutschland, ewig knechtgewohnt,lechzt nach der Kaserne.Qual, vier Jahr, gestohlnes Fressensind vergessen – sind vergessen…Brüllend rufen Rottenlieder:„Morgen wieder! morgen wieder!“Gruß dir –!Du bist dran zerschellt:an dem letzten Dreck der Welt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Das Lächeln der Mona Lisa, S. 380-381, Rowohlt, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Auf ein Soldatenbild“, Fassung 3.780.007 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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