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Versbuch

Bischof Hatto

Heinrich Kämpchen · 18471912

45 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1909

(Ballade.)

Am Mäuseturm im RheinErsteht um MitternachtEin wundersamer Schein,Wie ihn kein Feuer facht.

Der Fischer, der noch spätMit seinem Fang bemüht,Spricht schnell ein kurz Gebet,Wenn er den Schimmer sieht.

Er weiß, im alten TurmLäuft jetzt dem bösen Mann,Dem Bischof Hatto, SturmDer grimmen Mäuse Bann.

Er kennt die Sage ja,Die Sage alt und grau,Und weiß, was einst geschahIn dem verwünschten Bau.

Wie Hattos RasereiDie Hungernden verbrannt,Und wie er ihr GeschreiDen „Mäusepfiff“ genannt.

Den Turm hat er gebaut,Der Rache zu entgeh’n,Die Gott für ihn gebrautAuf der Gequälten Fleh’n.

Im Rheine, fest und schwer,Mit Kammer und Gelaß,Weil ihn ein MäuseheerBedrängt ohn’ Unterlaß.

Doch auch der Turm von SteinWar ihm kein Rettungsport,Es schwammen durch den RheinDie Mäuse nach sofort.

Sie drangen in sein Haus,Trotz allem Hindernis,Und Hattos Leib, o Graus,Zernagt ihr scharfer Biß.

Und was da jetzt noch glüht,Ist schlimmer Höllenbrand,Der von den Mäusen sprüht,Die Hatto nachgerannt,

Die, weil er ohne Reu’Einst Todesnot verlacht,Ihn heut’ noch immer neuAuch töten jede Nacht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Was die Ruhr mir sang, S. 83-84, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
Digitalisat
de.wikisource.org — „Bischof Hatto (Kämpchen)“, Fassung 4.636.296 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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