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Versbuch

Heißer Wunsch

Rudolf Lavant · 18441915

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1965

Ein schönes Alter wurde mir beschieden,Auf das zu hoffen niemals ich gewagt;Doch sehnt man sich nach Ruhe und nach Frieden,Da man der Hoffnung ohnehin entsagt.

Nun würgt es mich, den Müden, an der Kehle,Da ich so fest an meinen Traum geglaubt —Es wurde mir das Gleichgewicht der Seele,Der Nächte Schlummer wurde mir geraubt.

Ich sah vor mir zerfahren und zerrinnen,Was seit den Kinderjahren ich geliebt;Ich muss mich immer mühsam erst besinnen,Dass so etwas wie Freude es noch gibt.

Und dennoch möchte ich nicht vom Leben scheiden,Bis uns ein Retter aus der Not erstand,Bis nach des Weltkampfs grauenhaften LeidenErschüttert man den Mut zum Frieden fand.

Bis über sich nach schreckerfüllten TagenDen schönsten Sieg Europas Rat gewann,Bis das Geschlecht als einz’ge Frucht der KlagenSich auf die Menschlichkeit zurückbesann.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Rudolf Lavant Gedichte, 3. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1965
Digitalisat
de.wikisource.org — „Heißer Wunsch“, Fassung 3.492.520 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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