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Versbuch

Altes Lied

Heinrich Heine · 17971856

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1851

Du bist gestorben und weißt es nicht,Erloschen ist dein Augenlicht,Erblichen ist dein rothes Mündchen,Und du bist todt, mein todtes Kindchen.

In einer schaurigen SommernachtHab’ ich dich selber zu Grabe gebracht;Klaglieder die Nachtigallen sangen,Die Sterne sind mit zur Leiche gegangen.

Der Zug, der zog den Wald vorbei,Dort wiederhallt die Litaney;Die Tannen, in Trauermänteln vermummet,Sie haben Todtengebete gebrummet.

Am Weidensee vorüber ging’s,Die Elfen tanzten inmitten des Ring’s;Sie blieben plötzlich stehn und schienenUns anzuschaun mit Beileidsmienen.

Und als wir kamen zu deinem Grab,Da stieg der Mond vom Himmel herab.Er hielt eine Rede. Ein Schluchzen und Stöhnen,Und in der Ferne die Glocken tönen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Romanzero. Zweites Buch. Lamentationen. Seiten 161-162., 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
Digitalisat
de.wikisource.org — „Altes Lied (Heine)“, Fassung 1.056.991 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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