Die Fahne Schwerins
Theodor Fontane · 1819–1898
40 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Im Arsenal, dem alten,Zu Petersburg am Dock,Zersplittert und zerspaltenSteht ein alter Fahnenstock;Er steht in seiner EckenAn die hundert Jahre nun,Mit den andern FahnenstöckenHat er nichts zu thun.
Der Fahnen jüngste schmunzelt:„He, Kamerad im Eck,Warum so viel gerunzelt?Das bringt uns nicht vom Fleck;Nicht ewig stumm und einsamUnd nicht so steif-apart,Gesellig hübsch, gemeinsamUnd etwas Lebensart.“
Der drauf: „An Schaftes RundeSieh hier den Silberring,Er deckt die breite Wunde,Die ich bei Prag empfing,Zersplittert hat, zerspaltenDie Kugel mich von Erz,Schwerin', der mich gehalten,Dem ging sie durch das Herz.
„Wen solch ein Held getragen,In solcher Preußenstund’,Dem will es nicht behagenAuf fremdem, russischen Grund,Der will unter TrommelchörenIn Berlin im Zeughaus stehnUnd den Dessauer wieder hören,Und von Hohenfriedberg den.“
Im Arsenal, dem alten,Zu Petersburg, am Dock,Zersplittert und zerspalten,Sprach so der Fahnenstock.Die andern nickten leise,Der Zugwind wehte sacht,Immer stiller ward’s im Kreise; –Ein Stern schien durch die Nacht.“*)
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 281–282, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Fahne Schwerins (Fontane)“, Fassung 1.661.149 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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