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Versbuch

Dämmerung

Georg Trakl · 18871914

14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1913

Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein,Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten.Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein.

Ihr Siechentum schließt geisterhaft sich ein.Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten.Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten,Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr zerstreun.

Formlose Spottgestalten huschen, kauernUnd flattern sie auf schwarz-gekreuzten Pfaden.O! trauervolle Schatten an den Mauern.

Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden;Und nächtens stürzen sie aus roten SchauernDes Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 40, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1913
Digitalisat
de.wikisource.org — „Dämmerung“, Fassung 2.555.718 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Georg Trakl starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118623575 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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