Die Feien des Ursulenberges
Gustav Schwab · 1792–1850
48 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Wenn die Nebel Schleier webenUm Gebirg und Flur,Regt in der NaturSich ein and’res Leben.
Aus den Blumen, die sich neigenIn der Erde Kluft,Vor des Winters Luft,Ihre Seelen steigen.
Anzuschau’n wie zarte WeiberSchweben sie herausAus des Berges Haus,Jungfräuliche Leiber.
Mit dem Blau der Genziane,Mit der Lilje Glanz,Mit des RosenbrandsGluthen angethane;
Flattern, wenn sie Lichter sehen,In die Hütten, woSpinnerinnen frohSeid’ne Fäden drehen.
Setzen an der Mägde Kunkel,Luft’ge Gäste, sich,Spinnen emsiglichDurch der Nächte Dunkel,
Und von ihren Lippen wallenWorte leicht und leis,Gold’ner Sagen Preis,Die behagen Allen.
Von des Berges tiefen Spalten,Wo in ew’ger NachtIn dem kühlen SchachtBlumen Hochzeit halten.
Von der Erdengeister Treiben,Fürstlichem Geschlecht,Und von Gnom und Knecht,Und von Wasserweiben.
Und die Spindel rollet AllenLustig durch die Hand,Bis daß an der WandMorgenlichter wallen.
Da entschlüpfen schnell die Frauen:An des Bergs GesteinSind die sel’gen Fei’nNebeln gleich zu schauen.
Doch der Flachs ist abgesponnen,Und die Spindel ruht,Und ein zehnfach GutJede hat gewonnen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 323–324, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Feien des Ursulenberges“, Fassung 3.501.237 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
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