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Versbuch

Dem Andenken Adolf Lepps

Rudolf Lavant · 18441915

33 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 7. Dezember 1906

Es ist beklemmend, wie in diesen TagenSich der Verlust an treuen Männern summt.Ein braves Herz hat aufgehört zu schlagenUnd lieberreiche Lippen sind verstummt.Das Leben war ihm eine schwere Bürde,Obgleich der Arme reichbegabt und klug,Doch ob er wund sich beide Schultern trug,Es blieben treu der Trotz ihm und die Würde.

Wer ihn gekannt, der wird ihn nie vergessen,Der Hartes dulden Tag für Tag gemußt.Was wir am „kleinen Béranger“ besessen,Das haben nur die Wenigsten gewußt.Ein stiller Kummer lag in seinen Zügen,Lesbar für jeden, der ihn angeblickt,Denn seine Schwingen waren früh geknickt —Nie ward die Muße ihm zu Sonnenflügen.

Stich hielt sein Werk dem Urteil strenger RichterUnd eines bessern Loses war er wert,Doch bei dem alten Proletarier-DichterIst nie das Glück versöhnend eingekehrt.Er war zu stolz zum Klagen und zum Bitten,In harter Schale lag der weiche Kern;Nun ist in Nacht versunken dieser Stern,Nun hat der Arme endlich ausgelitten!

Er hat’s verdient, daß wir ein treu Gedenken,Das ihn erkennt nach seinem ganzen Wert,Dem hochbegabten Sohn des Volkes schenken,Der sich im Dienste der Idee verzehrt.Nun ruht er aus von Mühsal und Beschwerde,Der uns begeistert auf die Schanzen riefIn wundersamen Klängen voll und tief,Und leicht sei unserm armen Lepp die Erde.

R.L.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
off, Leipziger Volkszeitung, Leipzig, 7. Dezember 1906
Digitalisat
de.wikisource.org — „Dem Andenken Adolf Lepps“, Fassung 3.650.605 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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