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Versbuch

Angstgebet in Wohnungsnot

Joachim Ringelnatz · 18831934

22 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1928

(1923)Ach, lieber Gott, gib, daß sie nichtUns aus der Wohnung jagen.Was soll ich ihr denn noch sagen –Meiner Frau – in ihr verheultes Gesicht!?

Ich ringe meine Hände.Weil ich keinen Ausweg fände,Wenn's eines Tags so wirklich wär:Bett, Kleider, Bücher, mein Sekretär, –Daß das auf der Straße stände.

Sollt ich's versetzen, verkaufen?Ist all doch nötigstes Gerät.Wir würden, einmal, die Not versaufen,Und dann: wer weiß, was ich tät.

Ich hänge so an dem Bilde,Das noch von meiner Großmama stammt.Gott, gieße doch etwas MildeÜber das steinerne Wohnungsamt.

Wie meine Frau die Nacht durchweint,Das barmt durch all meine Träume.Gott, laß uns die lieben zwei RäumeMit der Sonne, die vormittags hinein scheint.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Allerdings, S. 23, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
Digitalisat
de.wikisource.org — „Angstgebet in Wohnungsnot“, Fassung 3.026.742 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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