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Versbuch

Nachtwanderung

Joachim Ringelnatz · 18831934

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1910

Ich geh durch das schlafende Dorf bei Nacht.Trüb flackert die alte Laterne.Ein Fenster nur hell, wo die Liebe noch wachtUnd über mir blinzeln die Sterne.

Noch stehen die Nelken im BlumentopfMit rosa Manschetten umwunden.Ich glaube, ein schwarzbrauner, lachender KopfIst eben dahinter verschwunden.

Ach nein, das Fenster ist dunkel und leer,Wo ich so oftmals gesessen.Das schwarzbraune Mädchen wohnt dort nicht mehrUnd hat mich wohl lang schon vergessen.

Mein Schatten ruft höhnisch: Bist alt! Bist alt!Die Liebe gehört nur den Jungen. – – –Ich wandere weiter. Mein Liedchen verhallt,Wie meine Jugend verklungen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 24, 1. Auflage, Hans Sachs-Verlag Schmidt-Bertsch & Haist, München, Leipzig, 1910
Digitalisat
de.wikisource.org — „Nachtwanderung“, Fassung 2.543.433 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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