Verfehlte Nacht
Kurt Tucholsky · 1890–1935
12 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1919
Heute wollte die Gnädige bei mir schlafen –und ich freute mich auf unsres Glückes Hafen.
Aber die, die längstens in den Gräbern ruhen,weiß betogat und mit weißen Schuhen,
jene alten, weisen, würdigen Kirchenväterwandern schaurig hinteinander durch den Äther …
Ach, ich muß sie alle, alle lernen,und dann ziehn sie wieder in die nebelhaften Fernen.
Meine Nacht beim Teufel – die verfluchten Frommen!Wirst du nächste Woche zu mir kommen? –
Sieh, dann sind sie fest in meinem Kopf gefangen.Und ich will vergnügt nach deinen Brüsten langen!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Fromme Gesänge, S. 107, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Verfehlte Nacht“, Fassung 3.790.940 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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