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Versbuch

Asche

Ada Christen · 18441901

52 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1870

I.

Wie sie lodern, wie sie beben,Still verglimmen und verweh’n –Und ein Stück von meinem LebenSeh’ in Asche ich vergeh’n.Weiche, goldig-blonde Locken,Manche Blume, die da schlief,Es zerstirbt in AschenflockenMancher alte Liebesbrief.Welches Glück die Worte brachten,Diese Phrasen, – Gott erbarm’!Wie sie heiß den Kopf einst machten –Heute wird die Hand kaum warm!

II.

Im Kamin lag grau die Asche,Und ich saß, nachdenklich schürend,In dem letzten tauben ResteNach verborg’nen Gluthen spürend.Und es flammte aus der Asche,Wieder helle Funken sprühend,Eine halbverglomm’ne KohleUnd zersplitterte verglühend.Und es flüstert in der Asche:Warum tödtest Du, berührendWas noch aufflammt, Dir zur Leuchte,Dich aus Nacht und Kälte führend? ....

III.

Wilde, ungeberd’ge Flammen,Die sich suchen und verstecken,Wie sie zischeln, wie sie schmeichelnUnd sich schlängeln und sich necken;Wie sie prasseln, knistern, jubeln,Sich verfolgen und umschlingen,Wie sie zu dem heißen ReigenIhre lockern Lieder singen!Wie sie endlich glühend züngeln,Jauchzend hoch und höher schlagen,Mit den schlanken rothen ArmenGierig in einander ragen!Welches glühend frische LebenSeh’ ich in den Flammen treiben –Und nichts als ein Häuflein AscheSoll von all’ den Gluthen bleiben? ....

IV.

Todte Liebe, – kalte Asche!Armer, längst zerstob’ner Traum –Wie ein geisterhaftes MahnenWeht es durch den öden Raum!Oft ist mir, als müßt ich hütenDich, wie einst, mein sterbend Kind –Doch ein Luftzug – und die AscheFliegt hinaus in Nacht und Wind!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aus der Asche. Neue Gedichte. Seite 13–16, Hoffmann & Campe, Hamburg, 1870
Digitalisat
de.wikisource.org — „Asche“, Fassung 4.427.741 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Ada Christen starb 1901; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1971 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119549263 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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