Nacht für Nacht
Paul Boldt · 1885–1921
14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1914
Wie helle Raupen kriechen die ChausseenAus Wäldern über Berge in die Tale.Gestrandet liegen Wolken, groß wie Wale,Still in der Abendröte blanken Seen.
Der Tag versiegt. Bis ihn die Frühen speisen,Quillt schwarze Nacht aus allen Himmelsbronnen.Die Sterne scheinen, kleine, ferne Sonnen.Der Teich im Hofe glänzt wie dunkles Eisen.
Der Mond steht, wie ein Junge in der Pfütze,Hell über jedem Garten. Und wie GazeSchimmert der Wald, des Berges blaue Mütze.
Aus einer Kleinstadt ragt des Kirchturms VaseVerschnörkelt aus der Giebeldächer Nippes. —Schlaf hält die Menschen fest, steif, wie in Gips.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Junge Pferde! Junge Pferde! S. 9, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1914
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Nacht für Nacht“, Fassung 1.103.855 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Paul Boldt starb 1921; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1991 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118661175 der Deutschen Nationalbibliothek.
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