Abschied von der Junggesellenzeit
Kurt Tucholsky · 1890–1935
25 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 6. Mai 1920
Abschied von der Junggesellenzeit von Theobald Tiger
Agathe, wackel nicht mehr mit dem Busen!Die letzten roten Astern trag herbei!Laß die Verführungskünste bunter Blusen,das Zwinkern laß, den kleinen Wollustschrei ..Nicht mehr für dich foxtrotten meine Musen –vorbei – vorbei ...Es schminkt sich ab der Junggesellenmime:Leb wohl! Ich nehm mir eine Legitime!
Leb, Magdalene, wohl! Du konntest packen,wenn du mich mochtest, bis ich grün und blau.Geliebtendämmerung. Der Mond der weißen Backenverdämmert sacht. Jetzt hab ich eine Frau.Leb, Lotte, wohl! Dein kleiner fester Nackenruht itzt in einem andern Liebesbau ...Lebt alle wohl! Muß ich von Kindern lesen:Ich schwör sie ab. Ich bin es nicht gewesen.
Nur eine bleibt mir noch in Ehezeiten –in dieser Hinsicht ist die Gattin blind –,Dein denk ich noch in allen Landespleiten:Germania! gutes, dickes, dummes Kind!Wir lieben uns und maulen und wir streitenund sind uns doch au fond recht wohlgesinnt ...Schlaf nicht bei den Soldaten! Das setzt Hiebe!Komm, bleib bei uns! Du meine alte Liebe –!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Weltbühne. Jahrgang 16, Nummer 19, Seite 539., Verlag der Weltbühne, Berlin, 6. Mai 1920
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Abschied von der Junggesellenzeit“, Fassung 1.096.131 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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