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Versbuch

Visionen

Ada Christen · 18441901

22 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1870

I.

Es zuckt durch meine Seel’ ein BlitzMit gelben unheimlichen Flammen,Er leuchtet wie der Verzweiflung Witz,Er zischet wie kaltes Verdammen,Er zeigt mir in seinem fahlen LichtNur einen einz’gen Gedanken:Ich seh’ ein weißes TodtengesichtAuf dem Wasser im Sturme schwanken!Und immer taucht es wieder empor,So weiß – so schön – so erhaben! ...O, daß es öde wär’, wie zuvor,In der Tiefe Alles begraben! –

II.

Wesen, kleines, längst verklärtes,Stern in meines Lebens Nacht,Reingeliebtes, heißentbehrtes,Sprich zu mir im Traume sacht!Schlinge Deine kleinen ArmeUm die Brust so glückberaubt,An mein Herz, das lebenswarme,Leg’ Dein todtes kaltes Haupt!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aus der Asche. Neue Gedichte. Seite 30–31, Hoffmann & Campe, Hamburg, 1870
Digitalisat
de.wikisource.org — „Visionen“, Fassung 4.427.727 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Ada Christen starb 1901; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1971 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119549263 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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