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Versbuch

General Sir John Moore’s Begräbniß

Theodor Fontane · 18191898

33 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1905

(Rückzug von Corunna, 1809.)

Kein Trommelwirbel, kein Grablied hohlAls wir an den Wallrand lenkten,Kein Schuß rief über ihn hin: „Fahr wohl“Als wir ihn niedersenkten;Wir senkten ihn nieder um Mitternacht,Sein Grab, ohne Prunk und Flimmer,Wir hatten’s mit Bayonnetten gemacht,Bei Mond- und Windlicht-Schimmer.

Viel Zeit zum Beten hatten wir nicht,Nicht Zeit zu Klagen und Sorgen,Wir starrten dem Todten in’s AngesichtUnd dachten: „was nun morgen?“Kein Grabtuch da, kein Priester nah,Kein Sterbekleid und kein Schragen,Wie ein schlafender Krieger lag er da,Seinen Mantel umgeschlagen.

Und kaum noch, daß unser Thun vollbracht,Heim rief uns die Glock’ von den Schiffen,Und über uns hin jetzt, durch die Nacht,Des Feindes Kugeln pfiffen;So ließen wir ihn auf seinem Feld,Blutfeucht von Heldenthume,Da liegt er und schläft er allein, unser Held,Allein mit seinem Ruhme.

Wir dachten, als wir den Hügel gemachtUeber seinem Bette der Ehre:Bald drüber hin zieht Feindes MachtUnd wir – weit, weit auf dem Meere;Sie werden schwätzen viel auf und abVon Ehre, die kaum gerettet, –Doch nichts von Allem dringt in sein Grab,Drin wir Britischen ihn gebettet.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 187–188, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „General Sir John Moore’s Begräbniß“, Fassung 1.676.215 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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