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Versbuch

Der Ruf

Otto Ernst · 18621926

24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Schon trat aus ferner, tannendunkler PforteDer Schlaf hervor.Schon raunte mir die ersten, leisen WorteDer Traum ins Ohr.Da klang von nahen ZweigenEin tiefer Freudenschall,Und klang getrost und stark durch Nacht und Schweigen.In meinen Traum sang eine Nachtigall.

Ich ritt durch flimmerdunkle WaldesräumeIm Traum, im Traum.Nur fern, o fern, durch mitternächt’ge BäumeEin lichter Saum.Doch horch: von jenen RötenEin süß geheimer Hall,Ein weiches, tiefes, morgenstilles Flöten!In meinen Traum sang eine Nachtigall.

Nun weiß ich auch, daß mir dieselbe StimmeVon je erklangUnd mir das Herz in Kampf und LeidensgrimmeVoll Hoffnung sang.Ein Land des Lichtes träumenWir armen Seelen all!Ich aber höre Klang aus jenen Räumen:In meinen Traum singt eine Nachtigall.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Siebzig Gedichte S. 16, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Ruf“, Fassung 3.441.191 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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