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Versbuch

Sylvesternacht

Rudolf Lavant · 18441915

25 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1888

Alte, gute Bräuche schwinden,Neuer Zeiten Spiel und Raub,Wie dahin in HerbsteswindenWeht das dürre Laub.Du nur, lust’ger Freund Sylvester,Bist zu sterben nicht so schnell,Alter, zäher, wetterfester,Rüstiger Gesell!

Wie sie vor zweihundert JahrenFleißig bechernd dich durchwacht,Hält man heute noch in SchaarenZechend „freie Nacht“,Liest aus krausen BleigestaltenSeiner Mädchenzukunft Loos,Zaubert durch der Träume WaltenGold in seinen Schooß.

Kleine ros’ge Engel wohnenIn der heißen, würz’gen Flut,Doch auch tückische DämonenPrüfen deinen Muth,Heute wie zur Zeit der Ahnen,Grau und dämmerweit ―Und die Glockenschläge mahnenAn die Flucht der Zeit.R.L.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der Wahre Jacob, J. H. W. Dietz, Stuttgart, 1888
Digitalisat
de.wikisource.org — „Sylvesternacht (Lavant)“, Fassung 3.577.914 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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