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Versbuch

Schicksal

Frank Wedekind · 18641918

25 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1905

Stürme durchtoben die bange Brust;Stürmisches Leid und stürmische LustSausen hindurch mit schaurigem Wehen,Schleudern mich aus des Mißgeschicks NachtAuf zu des Glückes sonnigen Höhen.Sprachlos begaff’ ich die strahlende Pracht,Schau’ ich des Weibes hehre Gestalt,Wie sie die Träume der Jugend verheißen,Und es ergreift mich, mit blinder GewaltAn die pochende Brust sie zu reißen.Sie aber zieht mich auf schwellende Kissen,Preßt mich an ihren üppigen Leib,Und überwältigt von wilden GenüssenHalt’ ich umklammert das schöne Weib.

Siehe da, gleich einem wogenden MeerWälzt sich gewaltig das Unglück her.Jäh zerschmetternde Blitze flammenNieder aus düsterem Wolkenthron;Über dem trunkenen ErdensohnSchlagen die schäumenden Fluten zusammen. – –

Als die Sonne wiederum schien,Gleitet ein Nachen darüber hin.Schimmernd steigt aus der Wellen GischtEin Regenbogen, der bald erlischt;Von dem Verunglückten fand sich nischt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Schicksal“, Fassung 3.779.820 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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