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Versbuch

Landschaft

Rainer Maria Rilke · 18751926

20 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1918

Wie zuletzt, in einem Augenblickaufgehäuft aus Hängen, Häusern, Stückenalter Himmel und zerbrochnen Brücken,und von drüben her, wie vom Geschick,von dem Sonnenuntergang getroffen,angeschuldigt, aufgerissen, offen —ginge dort die Ortschaft tragisch aus:

fiele nicht auf einmal in das Wunde,drin zerfließend, aus der nächsten Stundejener Tropfen kühlen Blaus,der die Nacht schon in den Abend mischt,so daß das von ferne Angefachtesachte, wie erlöst, erlischt.

Ruhig sind die Tore und die Bogen,durchsichtige Wolken wogenüber blassen Häuserreihn,die schon Dunkel in sich eingesogen;aber plötzlich ist vom Mond ein Scheindurchgeglitten, licht, als hätte einErzengel irgendwo sein Schwert gezogen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 59, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
Digitalisat
de.wikisource.org — „Landschaft (Rilke)“, Fassung 2.630.323 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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