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Versbuch

Märkische Reime

Theodor Fontane · 18191898

84 Zeilen in 23 Strophen · zuerst gedruckt 1905

1.Gruß.

Blaue Havel, Grunewald,Grüß’ mir alle beide,Grüß’ und sag’ ich käme bald,Und die Tegler Haide.

2.Vom Fehrbelliner Schlachtfeld.

Blumen, o Freundin, Dir mitzubringenVon diesem Feld, es wollt’ nicht gelingen.

Hafer nur, soweit ich sah,Hafer, Hafer nur war da.

Märkische Rosse gewannen die Schlacht,Haben das Feld berühmt gemacht.

Und das Feld, es zahlt mit GlückAlte Schulden in Hafer zurück.

3.Adlig Begräbniß.

Ein Zugwind ging durch die Stuben,Aufstanden Hall und Thor,Als die Mittelmärk’schen begrubenIhren alten Otto von Rohr.

Sechs Rohrsche Vettern ihn tragen,Sechs andre nebenher,Dann folgen drei von der HagenUnd drei von Häseler.

Ein Ribbeck, ein Stechow, ein Ziethen,Ein Rathenow, ein Quast,Vorüber an Scheunen und Miethen,Auf den Schultern schwankt die Last.

Um den Kirchhof her ein BlitzenVon Herbstessonnenschein,Die rothen BerberitzenHängen über Mauer und Stein.

Eine dreizehner LandwehrfahneDer alte von Bredow trug,Und Hans Rochow von RekahneSchloß ab den Trauerzug.

4.Siegesbotschaft.(Am Abend des 18. April 64.)

TanzIst heut im Kruge zu Vehlefanz.

Oben, auf rothgestrichner Empore,Sitzt die Musik in vollem Chore:Klarinette, Geigen, ContrebaßUnd vor jedem ein Pult und ein Weißbierglas.Und unten drehn sich, in Schottschem und Walzer,Die Paare, dazwischen ein Juchzer, ein Schnalzer,Und Zug und Hitze und blakende Lichter,Am Fenster neugierige Kindergesichter,Ein Rempeln und Rennen, ein Stoßen und Stemmen,Und mit eins: „Da kommt ja der Neumann aus Cremmen …Der Laatsche-Neumann. Was will den der?Laatsche-Neumann, hierher, hierher,Er bringt was, stillgestanden, stramm,Ich wett’, er bringt ein Telegramm.“Und Neumann, plötzlich steht er oben,Sie haben ihn auf den Tisch gehoben.

„Lesen …“„Muß erst zu Puste kommen …“„Lesen …“„Düppel ist genommen;Wir Schanze fünf, Garde Schanze sieben,Feldwebel Probst beim Sturme geblieben.Verluste wenig. Danske viel …“Alles sich in die Arme fiel,Und zu wissen, wie’s eigentlich gewesen,Muß Neumann es immer wieder lesen.

Dem aber will es nicht mehr zu Sinn.„Vehlefanzer, wo denkt ihr hin,Habe noch andre gute Bekannte …“

„Welche denn, welche?“„Muß noch nach Schwante.“

„Schwante, die lumpigen tausend Schritt,Hurrah, Neumann, da kommen wir mit.“

Und hinein in die laue Frühlingsnacht,Ganz Vehlefanz hat sich aufgemacht.Neumann laatscht nach.

Schwante lag schon in Schlaf,Als aber die Siegesbotschaft es traf,Ward’s wach.

Der Mond am Himmel standUnd in Jubel stand das Havelland.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 291–294, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Märkische Reime (Fontane)“, Fassung 2.185.934 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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