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Versbuch

Traum vom Fliegen

Karl Kraus · 18741936

16 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1920

Und wieder mir träumte, ich wäre geflogen,und diesesmal war es doch sicherlich wahr,denn ich hatte so leicht wie die Luft ja gewogenund hatte die Knie an den Körper gezogen,und es ging wie im Flug, im beherztesten Bogenhoch über der schwergewichtigen Schar,es war keine Täuschung, ich war nicht betrogen,es flogen die Stunden, die Tage, das Jahr.

Mit fliegenden Hoffnungen vollgesogen,so wach’ ich mit müderen Gliedern auf.Zu Lande ist Leben; und angelogen,vom leichtesten Trug an der Nase gezogen,aus allen Himmeln zur Erde geflogen,da lieg’ ich, da liegen die Lügen zuhauf.Und trotzdem bleib’ ich dem Traume gewogen,so läuft er sich leichter, der Lebenslauf.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ausgewählte Gedichte, S. 75, Verlag der Schriften von Karl Kraus (Kurt Wolff), München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Traum vom Fliegen (Kraus)“, Fassung 1.228.527 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Karl Kraus starb 1936; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2006 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118566288 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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