Unsre „deutsche Frau“
Theodor Fontane · 1819–1898
26 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Hierlandes ist unsre „deutsche Frau“Noch immer aus Friesack oder Bernau,Nur dem Kleinen gilt ihre Respektsbezeigung,Aus Noth nicht, nein, aus purer Neigung,Uralte Themen uralter EpochenWerden am liebsten durchgesprochen:Die Küche, die Wäsche, die Wohnung – und dann(Unerschöpfliches Thema) „mein Mann, mein Mann.“
„Mein Mann ist eigentlich viel zu gut,Und kommt er mal gegen mich in Wuth,Ist es immer blos wegen der dummen Dinger,Denen sieht er alles durch die Finger;Eine Vierzehnjährige nennt er „Sie“,Mittwochs hat er Skatpartie.Da würd’ ich nun gern ins Theater gehn,Aber, am Ende, was soll man sehn?„Sodoms Ende“ gilt ja für unmoralisch,Schiller ist mir zu theatralischUnd macht immer schöne Worte nur, –Das Beste bleibt doch freie Natur:Am großen Stern auf den Kaiser warten,Concert im Zoologischen Garten,Flamingo, Büffel, Pelikan,Und Abends (zum Spargel) kommt „mein Mann“Und Rudolf auch und die Zeit vergehtUnd der liebe Mond am Himmel steht.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 54–55, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Unsre „deutsche Frau““, Fassung 3.082.635 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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