Das weiße Spitzchen
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
14 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1882
Ein blendendes Spitzchen blickt über den Wald,Das ruft mich, das zieht mich, das thut mir Gewalt:
„Was schaffst du noch unten im Menschengewühl?Hier oben ist’s einsam! Hier oben ist’s kühl!
Der See mir zu Füßen hat heut sich enteist,Er kräuselt sich, fluthet, er wandert, er reist,
Die Moosbank des Felsens ist dir schon bereit,Von ihr ist’s zum ewigen Schnee nicht mehr weit!“
Das Spitzchen, es ruft mich, sobald ich erwacht,Am Mittag, am Abend, im Traum noch der Nacht.
So komm ich denn morgen! Nun laß mich in Ruh!Erst schließ’ ich die Bücher, die Schreine noch zu.
Leis wandelt in Lüften ein Heerdegeläut:„Laß offen die Truhen! Komm lieber noch heut.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 72, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das weiße Spitzchen“, Fassung 2.573.418 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
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