Graue Nacht liegt auf dem Meere
Heinrich Heine · 1797–1856
23 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1844
Und die kleinen Sterne glimmen.Manchmal tönen in dem WasserLange hingezogne Stimmen.
Dorten spielt der alte NordwindMit den blanken Meereswellen,Die wie Orgelpfeifen hüpfen,Die wie Orgelpfeifen schwellen.
Heidnisch halb und halb auch kirchlichKlingen diese Melodeyen,Steigen muthig in die Höhe,Daß sich drob die Sterne freuen.
Und die Sterne, immer größer,Glühen auf mit Lustgewimmel,Und am Ende groß wie SonnenSchweifen sie umher am Himmel.
Zur Musik, die unten tönet,Wirbeln sie die tollsten Weisen;Sonnennachtigallen sind es,Die dort oben strahlend kreisen.
Und das braust und schmettert mächtig,Meer und Himmel hör’ ich singen,Und ich fühle RiesenwollustStürmisch in mein Herze dringen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Neue Gedichte. Seite 68–69, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, 1844
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Graue Nacht liegt auf dem Meere“, Fassung 1.144.959 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.