Weihnacht
Alfred Henschke · 1890–1928
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1927
Ich bin der Tischler Josef,Meine Frau, die heißet Marie.Wir finden kein’ Arbeit und Herberg’im kalten Winter allhie.
Habens der Herr Wirt vom goldnen Sternnicht ein Unterkunft für mein Weib?Einen halbeten Kreuzer zahlert ich gern,zu betten den schwangren Leib. –
Ich hab kein Bett für Bettelleut;doch scherts euch nur in den Stall.Gevatter Ochs und Base Kuhwerden empfangen euch wohl. –
Wir danken dem Herrn Wirt für seine Gnadund für die warme Stub.Der Himmel lohns euch und unser Kind,seis Madel oder Bub.
Marie, Marie, was schreist du so sehr? –Ach Josef, es sein die Wehn.Bald wirst du den elfenbeinernen Turm,das süßeste Wunder sehn. –
Der Josef Hebamme und Bader warund hob den lieben Sohnaus seiner Mutter dunklem Reichauf seinen strohernen Thron.
Da lag er im Stroh. Die Mutter so frohsagt Vater Unserm den Dank.Und Ochs und Esel und Pferd und Hundstanden fromm dabei.
Aber die Katze sprang auf die Streuund wärmte zur Nacht das Kind. –Davon die Katzen noch heutigen TagsMaria die liebsten Tiere sind.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Harfenjule S. 47–48, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Weihnacht (Klabund)“, Fassung 3.779.748 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
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