Schlaflose Nacht
Alfred Henschke · 1890–1928
16 Zeilen · zuerst gedruckt 1913
Übermüdet, schlaflos lieg ich in den Decken,Schon malt der junge Tag lichtgraue FleckenAuf Ofen, Stuhl und Lampenknauf.Das Fenster steht sperrangelauf.Ein Hund läuft über den Asphalt, sein Halsband klappert.Es tickt wo eine Uhr. Der Bäckerjunge tappertUnd schleppt im Sack Verschlafenheit und Bemme.Von nebenan schwirrt, summt aus der KaschemmeEin trübes Lied auf trübgestimmter Zither.Die Zunge jappt im Gaumen rauh und bitter,Ich hole dürstend Glas mir und Karaffe –Da ist die Sonne jenseits aufgetaucht,Von rosagelbem Wolkendampf umraucht,Und formt im Glase eine Goldagraffe,Als wolle sie die letzten grauen SchlangenDer Nacht mit einer goldnen Schlinge fangen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!, S. 44, Erich Reiß Verlag, Berlin, 1913
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Schlaflose Nacht“, Fassung 1.103.985 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
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