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Versbuch

Bey der Hochzeit des Hrn. Schultz

Karl Streckfuß · 17781844

96 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1804

Umflattert von dem leichten irren Leben,Durchhüpft der Knabe lächelnd seine Bahn,Wo tausend Lichter glänzend ihn umschweben,Wo sich ihm tausend leichte Träume nahn;Von bunten Blumen sieht er sich umgeben,Und jede lächelt froh den Frohen an.Aus jeder Silberquelle schnellen Kräuseln,Hört er geheime Freundesstimmen säuseln.

Ein Spiel sind ihm der Sonne goldne Strahlen,Die durch die Nacht der grünen Büsche fliehn,Ein Spiel die Gluthen, die den Osten mahlen,Die Flammen, die am Abendhimmel glühn,Ein Spiel der Sterne nahmenlose Zahlen,Und überall sieht er die Freude blühn,Selbst auf des Winters öden SchneegefildenWeiß seine Hand die Freundliche zu bilden.

Doch bald, wenn sich des Lebens Flügel binden,Wird ernst des Jünglings Tritt, ernst wird sein Sinn,Er kann noch nicht das Licht der Wahrheit finden,Doch welket seiner Träume Lust dahin,Der Blumen liebliche Gestalten schwinden,Und doch sieht er noch nicht der Frucht Beginn.Am Quell, wo süße Stimmen ihm erklangen,Fühlt er von banger Sehnsucht sich befangen.

Wie Gluth der Sonne drückt sie ihn darnieder,Er fühlet sie, doch er erkennt sie nicht,Sie kehret mit dem jungen Morgen wieder,Und unbefriedigt sieht er Hespers Licht,Den Sternen zu kehrt er die Augenlieder —Auch nicht der Himmel giebt, was ihm gebricht.Selbst in des Lenzes blumenvollen AuenWird er nicht die verwelkten Blüthen schauen.

Da naht mit Ernst im schönen Angesichte,Mit Hoheit in der herrlichen Gestalt,Die Freundschaft ihm, daß sich der Kummer flüchte,Sie stützet ihn mit göttlicher Gewalt,Sie leuchtet ihm mit heil’ger Wahrheit Lichte,Vertreibt das Dunkel, das den Pfad umwallt;Sie läßt bey keinem Schreckniß ihn verzagen,Und heißt ihn leben, kämpfen und ertragen.

Doch bleiben öd’ und traurig die Gestade,Der Kummer floh, das Glück kam nicht zurück,Denn keine Blum’ entblühet seinem Pfade,Entbehren nur ist seines Daseyns Glück.Daß sich der Sehnsucht ganz sein Herz entlade,Ganz sich erhebe der gesunkne Blick,Kann selbst der Freundschaft Walten nicht erringen,Noch die verlornen Schätze wieder bringen.

Doch frey und kühn, mit rosigem Gefieder,Umgaukelt von der Charitinnen Tanz,Steigt Amor aus des Himmels Höhen nieder,Und ihn umfließt ein wunderbarer Glanz.Es werde! spricht er — Sieh, da kehret wiederDer Frühling mit der jungen Rosen Kranz.Er lächelt nur — und durch die Flur verbreitenSich nie geahnte Himmelsseeligkeiten.

Des Westes Hauch weht in den milden Lüften,Vom Himmel tönt der Lerche Jubellied,Und tausend junge Blumenschaaren düften,In tausend Farben wunderbar entglüht —So wallt der Liebende durch schöne Triften,Wo ewig blauer Himmel ihn umzieht;So keimt die Ruh aus seinem bangen Streben,Und froh durchwallt er so das leichte Leben.

So wirst auch du auf deinen Wiegen wallen,Sie führen durch ein schönes Freudenland,Dir lacht der Lenz mit seinen Kindern allen,Und jeder düstern Wolke Drohn verschwand,Denn Amor führt mit frohem WohlgefallenHeut Hymene’n dir zu an zarter Hand.Die Pfeile und das flüchtige GefiederLegt er auf Hymens heil’gem Altar nieder.

Und liebend schlingt er seine LilienarmeUm Hymens Hals: Nie will ich von dir fliehn!Daß nie an Glück das edle Paar verarme,Soll stets mein Feu’r auf deinem Altar glühn,Und nie gebeugt von düsterm Gram und Harme,Soll beyden stets der Freude Rose blühn;Wie in der Kindheit ungetrübten Tagen,Soll sie des Lebens sanfte Woge tragen.

Dieß ist’s, was heut euch Amors Huld verheissen,Er legt’ in euch den Quell der Seeligkeit;Mag nun um euch des Goldes Schimmer gleissen,Ihr seht es still und lächelnd ohne Neid.Was in euch lebt kann kein Geschick entreissen,Kein Sturm erschüttern, keine Macht der Zeit.Das Glück, das nie die karge Müh’ erzwungen,Hat frey um euch den Götterarm geschlungen.

Nur in der Freude lachenden Gestaden,Ist’s, wo der Thaten schönster Keim entsprießt,Wo sich von jeder Erdenbürd’ entladen,Des Geistes Reichthum herrlicher ergießt;So wirst auch du, den auf des Guten PfadenZum Führer uns des Himmels Huld erkießt,Noch schöner jetzt durch Wort, und That und Leben,Der Tugend, wie des Glückes Beyspiel geben.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 49-54, 1, J. V. Degen, Wien, 1804
Digitalisat
de.wikisource.org — „Bey der Hochzeit des Hrn. Schultz“, Fassung 4.640.945 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Karl Streckfuß starb 1844; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1914 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 117313165 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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