An den Knaben Elis
Georg Trakl · 1887–1914
19 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1913
Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft,Dieses ist dein Untergang.Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells.
Laß, wenn deine Stirne leise blutetUralte LegendenUnd dunkle Deutung des Vogelflugs.
Du aber gehst mit weichen Schritten in die Nacht,Die voll purpurner Trauben hängtUnd du regst die Arme schöner im Blau.
Ein Dornenbusch tönt,Wo deine mondenen Augen sind.O, wie lange bist, Elis, du verstorben.
Dein Leib ist eine Hyazinthe,In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht.Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen,
Daraus bisweilen ein sanftes Tier trittUnd langsam die schweren Lider senkt.Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,
Das letzte Gold verfallener Sterne.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 18, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1913
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „An den Knaben Elis“, Fassung 2.555.741 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Trakl starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118623575 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.