Gegen Norden
Georg Heym · 1887–1912
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1911
Die braunen Segel blähen an den Trossen,Die Kähne furchen silbergrau das Meer.Der Borde schwarze Netze hangen schwerVon Schuppenleibern und von roten Flossen.
Sie kehren heim zum Kai, wo raucht die StadtIn trübem Dunst und naher Finsternis.Der Häuser Lichter schwimmen ungewißWie rote Flecken, breit, im dunklen Watt.
Fern ruht des Meeres Platte wie ein SteinIm blauen Ost. Von Tages Stirne sinktDer Kranz des roten Laubes, da er trinkt,Zur Flut gekniet, von ihrem weißen Schein.
Es zittert Goldgewölke in den WeitenVom Glanz der Bernsteinwaldung, die enttauchtVerlorner Tiefe, wenn die Dämmerung raucht,In die sich gelb die langen Äste breiten.
Versunkne Schiffer hängen in den Zweigen.Ihr langes Haar schwimmt auf der See wie Tang.Die Sterne, die dem Grün der Nacht entsteigen,Beginnen frierend ihren Wandergang.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der ewige Tag. S. 45, 1. Auflage, Rowohlt, Leipzig, 1911
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Gegen Norden“, Fassung 722.495 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Heym starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550683 der Deutschen Nationalbibliothek.
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