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Versbuch

Mitternacht

Andreas Gryphius · 16161664

14 Zeilen · zuerst gedruckt 1658

SChrecken / vnd Stille / vnd dunckeles Grausen / finstere Kälte bedecket das Land /Itzt schläfft was Arbeit vnd Schmertzen ermüdet / diß sind der traurigen Einsamkeit stunden.Nunmehr ist / was durch die Lüffte sich reget / nunmehr sind Menschen vnd Thiere verschwunden.Ob zwar die immerdar schimmernde Lichter / der ewig schitternden Sternen entbrant!Suchet ein fleissiger Sinn noch zu wachen? der duch bemühung der künstlichen Hand /Ihm / die auch nach vns ankommende Seelen / Ihm / die an itzt sich hier finden verbunden?Wetzet ein bluttiger Mörder die Klinge? wil er vnschuldiger Hertzen verwunden?Sorget ein Ehren-begehrend Gemütte / wie zu erlangen ein höherer Stand?Sterbliche! Sterbliche! lasset diß dichten! Morgen! Ach Morgen! Ach muß man hinziehn!Ach wir verschwinden gleich als die Gespenste / die vmb die Stund vns erscheinen vnd fliehn.Wenn vns die finstere Gruben bedecket / wird / was wir wündschen vnd suchen zu nichte.Doch / wie der gläntzende Morgen eröffnet / was weder Monde noch Fackel bescheint:So / wenn der plötzliche Tag wird anbrechen / wird was geredet / gewürcket / gemeynt.Sonder vermänteln eröffnet sich finden vor deß erschrecklichen GOttes Gerichte.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Freuden vnd Trauer-Spiele auch Oden vnd Sonnette sampt Herr Peter Squentz Schimpff-Spiel. Sonnette. Das Ander Buch. S. 30f., Johann Lischke, Breßlau, 1658
Digitalisat
de.wikisource.org — „Mitternacht (Gryphius)“, Fassung 1.473.124 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Andreas Gryphius starb 1664; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1734 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118543032 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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