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Versbuch

Die zweite Nacht

Richard Dehmel · 18631920

24 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1893

Drum komm, o komm, noch einmal schweigtso voll ins Feld, so weiß und weitder Mond ins Feld; noch einmal zeigtdie weite Nacht,die zweite Nacht,uns unsre nackte Seligkeit.

O komm, o komm, ich will dich sehn –und silbern rauscht der Eichenhain;die langen Wiesenhalme stehnso still, so weicham kleinen Teich,und schimmernd tauchen wir hinein.

Und schimmernd, schimmernd heb’ich dichheraus ins dunkelgrüne Kraut,dein schwarzes Haar umrieselt mich,der Tau wird warm,und Arm um Armerkennt den Bräutigam die Braut.

Und dann, o komm – oh flieh! denn dann:wir hatten Schooß in Schooß geruht:von einer gelben Blüte rann,du sahst es nicht,im bleichen Lichtein Tropfen Blut – Dein Tropfen Blut.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die zweite Nacht“, Fassung 3.581.287 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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