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Versbuch

Erzberger

Kurt Tucholsky · 18901935

34 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 4. Juli 1919

Von Theobald Tiger

Du guter Mond aus Buttenhausen!Du leuchtest durch den Wolkenflor.Wenn auch die bösen Stürme brausen –sanft strahlt dein mildes Rund empor.Und ob der ganze Schnee verbrennt,ob uns ein leiser Zephir fächelt –wie immer auch das Firmament:Mathias lächelt.

Was hattest du im Krieg zu schuften!Du reistest in und aus der Schweiz.Tät wo ein kleines Stänklein duften,du, Lieber, wußtest es bereits.Gewiß, du hast den Zimt erkannt,hast Tirpitz wacker durchgehechelt …Ein Trost blieb uns im Weltenbrand:Mathias lächelt.

Was bist du alles schon gewesen!Ein wilder Weltannexionist(man kann es leider heut noch lesen),dann, als es schief ging, Pazifist …Man sah dich stets mit wem paktieren,du machtest dich dem Reich bezahlt …Wir wußten: Uns kann nichts passieren –Mathias strahlt.

Du sanft Gestirn stehst nun am Himmelund – leider Gottes! – im Zenith.Gewiß, du bist in dem Gewimmelder schlimmste nicht, den man da sieht.Die Sterne in der hohen Halle,die übler Kriegsgewinst geeint,du überstrahlst sie alle, alle – –Mathias grinst.Und Deutschland weint.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ulk Jahrgang 48. Nummer 27. Seite 94, Rudolf Mosse, Berlin, 4. Juli 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Erzberger“, Fassung 1.174.966 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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