Reinigung
Heinrich Heine · 1797–1856
22 Zeilen · zuerst gedruckt 1827
Bleib’ du in deiner Meerestiefe,Wahnsinniger Traum,Der du einst so manche NachtMein Herz mit falschem Glück gequält hastUnd jetzt, als See-Gespenst,Sogar am hellen Tag’ mich bedrohest –Bleib’ Du dort unten, in Ewigkeit,Und ich werfe noch zu dir hinabAll meine Schmerzen und SündenUnd die Schellenkappe der Thorheit,Die so lange mein Haupt umklingelt,Und die kalte, gleißende SchlangenhautDer Heuchelei,Die mir so lang’ die Seele umwunden,Die kranke Seele,Die gottverleugnende, engelverleugnende,Unselige Seele –Hoiho! hoiho! Da kommt der Wind!Die Segel auf! Sie flattern und schwell’n;Ueber die stillverderbliche FlächeEilet das Schiff,Und es jauchzt die befreite Seele.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Buch der Lieder, Die Nordsee, Erster Cyklus, S. 338–339, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Reinigung“, Fassung 3.778.793 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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