Der Todesklang
Gustav Schwab · 1792–1850
48 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Es steht an Finnlands GränzenEin festes Schloß erbaut,Das in des Mondes GlänzenWeit über die Lande schaut.
Zu Füßen ihm in EileSchießt bodenlos ein Fluß,Man hört auf eine MeileFernher den rauschenden Gruß.
Dort ist seit alten TagenOft schon in stiller NachtEin Klingen, ein süßes KlagenHellmahnend aufgewacht.
Wem gilt es wieder heute?Es ist ein mächtiger Troß,Der Hauptmann und seine Leute,Gekommen als Wach’ auf’s Schloß.
Der Hauptmann in dem SaaleLiegt schon im halben Schlaf,Geküßt vom MondenstrahleEin schöner, schwedischer Graf.
„Wer drunten musiciret,Und spielt so schöne Stück’?Wer mir zu Ehren rühretSo holde Feldmusik?“
Die Tön’ ach! die dich laden,Spielt einer, den du nicht kennst:Ich seh’s wohl tauchen und badenIm Flusse das Gespenst.
„Es tragen mich die LauteAuf Flügeln in’s Schwedenland,Dort sitzt die Liebe, die Traute,Was stützt sie sich auf die Hand?“
Sie möchte wohl sitzen in Thränen,Wär’ ihr dein Loos bekannt;Du fliegest auf diesen TönenIn ein gar ander Land!
Im Schlafe schon spricht der Knabe:„Nun, glaub’ ich, schlummr’ ich ein!Mir träumt’, ich läg’ im Grabe,Ich zög’ in Himmel ein!“
Ach Träumen ist es nimmer,Du junger Schwedengraf!Dein Haupt im MondenschimmerNeigt sich zum ewigen Schlaf.
Der Geist taucht unter in Schweigen,Er hat sein Werk vollbracht;Die Wellen fallen und steigen,Der Fluß rauscht durch die Nacht.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 181–183, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Todesklang“, Fassung 3.449.410 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
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