Sir Patrick Spens
Theodor Fontane · 1819–1898
50 Zeilen in 14 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Der König sitzt in Dumferlin-Schloß,Er trinkt blutrothen Wein;„Wer ist mein bester Segler?Er muß in See hinein.“
Sprach da ein schottischer Ritter:(Er stand an des Königs Seit’)„Der beste, das ist Sir PatrickIm Lande weit und breit.“
Der König schrieb einen offenen Brief,Einen Brief mit eigner Hand; –Sir Patrick schritt am MeereHin über den knirschenden Sand.
Er sah auf die erste ZeileUnd lachte, als er sie sah,Er las die zweite Zeile,Nicht weiter las er da.
Sein Auge stund in Thränen:„Wem that ich also weh,Zu schicken in dieser SturmzeitMich über die weiße See?
Zu Schiff nun, liebe Mannen,Wir segeln vor Tagesschein.“Da sprach ein alter Matrose:„Sir Patrick, das kann nicht sein.
Ich hört’ in meiner KojeDie Windsbraut wie sie gelacht,Und der neue Mond hielt den altenIm Arme die letzte Nacht.“
* * *
Es kam der nächste Morgen,Sie gingen alle an Bord,Sir Patrick und die SeinenUnd mancher schottische Lord.
Im Winde flaggten die Wimpel,Hoch tanzten Schiff und Fluth; –Drei Tage, da schwamm auf dem MeereNur noch ein bebänderter Hut.
* * *
Nun sitzen viel schöne FrauenMit ihren Fächern am Strand,Und warten auf Sir PatrickUnd daß er steig’ an Land.
Alle tragen sie Kämme mit GoldschmuckUnd blicken hinaus aufs Meer,Doch sie erharren keinenUnd sehen keinen mehr.
Fünfzig Faden tief und tiefer,Da pflegen sie all der Ruh:Sir Patrick und die SeinenUnd die schottischen Lords dazu.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 389–390, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Sir Patrick Spens“, Fassung 1.761.667 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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