Hexengeflüster
Karl Henckell · 1864–1929
50 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1921
Und die gespenstischen SchicksalsreiterAuf den gelbschwarz getigerten RossenMit den gierig geblähten Nüstern,Die von giftigen Gasen dampfen,Sausen weiter, sausen weiter ...
Dumpf die Hufe vorüberstampfen,Und die Hexen des Schlachtfelds flüstern.Blutübergossen,Gerippehager,Lehnen zu dritt sie am toten Tank,Der angeschossenPlump sich gewälzt und im Sumpf versank.HungermagerFlüstern die Schwestern und Schicksalssager:
„Welt todkrank!Menschen lüsternNach Mord, Mord, Mord.Eisenhyäne,Zerfetzende Zähne!
Mord ist der Lord,Wahnwitz der MeisterRuchloser Geister –Gold-KapitäneSchrein:Gott über Bord!
Welt ward gemein.Strotzende FülleHetzt sie zu Haß,Heilige StilleSchänden sie mit Granatengebrülle,Himmelhoch steigt ihr zerstörender Wille –Sancta, sancta Satanitas!
Sinnlos Sein!Mild behütetIm Mutterschoß –Wild zerwütet,Metzgerstoß,Wuchs der Knabe zum Jungmann groß –Markverheerendes Menschheitslos!
Feld der Lüge,Wahnesfeld,Irre ZügeZeigt die Welt ...Recht verzerrt,Wert entstellt –Horcht, wie der Höllhund der Dämmerung bellt!“
Tag erwachtFahl zur Schlacht,Schauerlich flüstern die SchicksalsfraunUnd zerfließen in Nacht und Graun.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Karl Henckell: Gesammelte Werke Bd. 2, München 1921, S. 315–317, J. M. Müller, München, 1921
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Hexengeflüster“, Fassung 1.610.304 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Karl Henckell starb 1929; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1999 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118835289 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.