De profundis
Georg Trakl · 1887–1914
21 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1913
Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreistWie traurig dieser Abend.
Am Weiler vorbeiSammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.Ihre Augen weiden rund und goldig in der DämmerungUnd ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.
Bei der HeimkehrFanden die Hirten den süßen LeibVerwest im Dornenbusch.
Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.Gottes SchweigenTrank ich aus dem Brunnen des Hains.
Auf meine Stirne tritt kaltes MetallSpinnen suchen mein Herz.Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.
Nachts fand ich mich auf einer Heide,Starrend von Unrat und Staub der Sterne.Im HaselgebüschKlangen wieder kristallne Engel.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 38, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1913
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „De profundis“, Fassung 2.555.720 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Trakl starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118623575 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.